Erfolgsquoten und Risken der Sterilitätstherapie
Die Erfolgsaussichten auf eine Schwangerschaft liegen bei der einfachen hormonellen Stimulation in Verbindung mit der
Insemination zwischen 15 - 20 % pro Zyklus. Nach mehreren Behandlungszyklen kann bei etwa 70 % der Paare eine Schwangerschaft erzielt werden, wenn konsequent bis zu 6 Versuche - falls erforderlich - in Anspruch genommen werden. Allerdings können mit dieser Methode nur leichte Formen der Fruchtbarkeitsstörung behandelt werden, welche eine höhere Chance auf Erfolg haben.
Bei der
ln-vitro-Fertilisation betragen die Erfolgschancen auf eine Schwangerschaft rund 25 % d.h. etwa jeder vierte Transfer führt zu einer Schwangerschaft. Die Schwangerschaftsrate nach
ICSI liegt sogar bei 30 % etwas höher als bei der
IVF-Behandlung. Hierfür gibt es zwei mögliche Erklärungen. Zum einen sind die Frauen, bei denen wegen einer Fruchtbarkeitsstörung des Mannes diese Methode angewandt wird, im Durchschnitt etwas jünger als die Patientinnen der
IVF-Behandlung. Zum anderen erhöht sich durch die
ICSI-Methode die Chance auf Befruchtung der Eizellen (mehr siehe:
Chancen ein Kind zu bekommen).
Eileiterschwangerschaft, Fehlgeburt
Bei allen fortpflanzungsmedizinischen Verfahren, ganz selten sogar nach Embryotransfer im Rahmen einer
IVF-Behandlung, kann es zu einer Eileiterschwangerschaft kommen. Ebenso ist auch eine Fehlgeburt, wie bei allen anderen Schwangerschaften nicht ausgeschlossen. Deshalb muss die Schwangerschaft sehr sorgfältig überwacht werden.
Missbildungen
Viele große Untersuchungen weisen darauf hin, dass es nach fortpflanzungsmedizinischen Maßnahmen nicht zu vermehrtem Auftreten von Schädigungen oder Missbildungen des Kindes kommt. Die Therapieabläufe machen ein vermehrtes Auftreten auch nicht wahrscheinlich. Wie bei allen anderen Schwangerschaften kann aber eine Missbildung nie mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden.
Das Risiko einer Fehlbildung liegt bei „normalen“ Schwangerschaften in Deutschland zwischen
2 - 7 % je nachdem, wie gründlich man die Kinder untersucht. Dieses Risiko ist bei einer IVF-Schwangerschaft weder höher noch niedriger.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Fehlbildungsrate auch bei
ICSI nicht erhöht ist. Seit kurzem weiß man, dass bei 3 - 5 % der Männer mit schwerer Fruchtbarkeitsstörung bestimmte Erbfaktoren dafür verantwortlich sind. Wenn diesen Männern mit Hilfe von
ICSI zu einem Kind verholfen wird, besteht hier die Möglichkeit, dass männliche Nachkommen ebenfalls Fruchtbarkeitsstörungen haben können.
Bei 1 - 2 % der unfruchtbaren Männer liegt zusätzlich ein Erbfaktor zu einer Stoffwechselstörung, der Mukoviszidose, vor. Je nach genetischem Zustand bei der Partnerin besteht bei einem solchen Paar ein gewisses Risiko, dass ein durch
ICSI gezeugtes Kind ebenfalls diesen Erbfaktor trägt. Wir empfehlen vor dieser Durchführung eine genetische Beratung und, sofern hier Auffälligkeiten erkannt werden, vorab eine Untersuchung der Erbanlagen. So ist es uns möglich, diese seltene Wahrscheinlichkeit auszuschließen.
Risiken
Jede Follikelpunktion ist ein operativer Eingriff; sie bringt daher entsprechende Risiken mit sich. Eine eventuelle Narkose birgt zusätzlich das Narkoserisiko in sich. So können bei einer ultraschallgeführten Follikelpunktion Komplikationen auftreten, zum Beispiel Verletzungen der Nachbarorgane; dieses Risiko ist jedoch äußerst niedrig.
Die Übertragung mehrerer Embryonen erhöht nachweislich die Schwangerschaftsrate. Auch wenn in Deutschland nur maximal drei Embryonen übertragen werden dürfen, ergibt sich eine erhöhte Rate von Mehrlingsschwangerschaften, die nicht vorhersehbar ist. So liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft bei ca. 16 bis 18 %, die einer Drillingsschwangerschaft bei ca. 3 bis 4 %.
Embryonen können wandern - aus der Gebärmutter in den Eileiter. Trotz fachgerechten Einsetzens kann es daher zu einer Eileiterschwangerschaft (Extrauteringravidität) kommen. Durch regelmäßige Kontrolle und sofortige Therapie läßt sich das Risiko von Komplikationen minimieren.
8 bis 10 % aller Schwangerschaften in Deutschland führen zu einer Fehlgeburt. Bei IVF sind es etwa 12 bis 15 %, je nach zugrundeliegender Problematik. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen: Das Durchschnittsalter der IVF-Schwangeren ist höher als das "normaler" Schwangeren; und mit erhöhtem Alter steigt die Fehlgeburtenrate naturgegeben an.
Ziel der Stimulation ist es, mehrere Eizellen zu gewinnen. Je mehr Follikel heranreifen, desto größer werden die Eierstöcke. Mehrere Follikel und größere Eierstöcke sind also bei einer Stimulation ganz normal; das muß auch so sein, damit der erste Schritt der IVF-Behandlung ein Erfolg wird - das Heranreifen mehrerer Eizellen.
Aus den Follikeln bilden sich Gelbkörperzysten - das kann im Einzelfall zuviel sein und zu einer deutlichen Überfunktion der Eierstöcke führen. Erst jetzt sprechen wir von OHSS. Dabei kann sich Flüssigkeit im Bauchraum bilden (Aszites), und es können Unterleibsschmerzen auftreten.
In wenigen Fällen ist die Vergrößerung der Eierstöcke so stark, dass zur besseren Überwachung und Behandlung ein stationärer Krankenhausaufenthalt erforderlich wird.
Natürlich ist die Schwangerschaft kein Risiko im eigentlichen Sinn; schließlich wünschen Sie sich ein Kind. Allerdings kann eine Schwangerschaft zu Komplikationen führen. Auch das Risiko eines genetischen oder angeborenen Defektes oder einer Totgeburt sind nicht ausgeschlossen. Diese Risiken sind bei einer IVF-Schwangerschaft weder höher noch niedriger als bei einer "normalen" Schwangerschaft; unabhängig davon, ob ICSI eingesetzt wird oder nicht.