Infertilität, ICSI, KIWU, Hormonbehandlung, Fruchtbarkeit
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Hellweg 2

Diagnostik der männlichen Sterilität


KIWU
Andrologische Diagnostik: Ejakulatuntersuchung das Spermiogramm und die Funktionstests

Das Spermium

Die männliche Geschlechtszelle wird Samenzelle oder auch Spermium genannt. Das Spermium oder Spermatozoon hat sein Ursprung aus dem Griechischen (Sperma, „Keim, Same“).
Spermien werden in den männlichen Keimdrüsen, den Hoden, produziert. Auch beim Mann steuern Drüsen im Gehirn über ein System von Hormonsignalen die Fortpflanzung. Die Vorgänge laufen bei dem Mann nicht zyklisch ab, sondern kontinuierlich. Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) setzt die Hormone GnRH (LH-RH) frei. Das GnRH stimuliert die Hypophyse zur Freisetzung der Gonadotropine LH und FSH. Für eine intakte Spermatogenese ist eine ausreichende Konzentration an FSH, LH und Testosteron Voraussetzung. Bei männlichen Individuen geschieht die Spermatogenese, also die Bildung der primären Spermatozyten, aus den Spermatogonien, welche über einen diploiden Chromosomensatz verfügen und aus den männlichen Urkeimzellen hervorgegangen sind. Die primären Spermatozyten werden durch die erste Reifeteilung in sekundäre Spermatozyten übergeführt, die nach einer zweiten Reifeteilung die Spermatiden mit einem haploidem Chromosomensatz ergeben. Die neu entstandenen Spermatozoen im Bereich der Testis sind infertil und erst in der darauffolgenden Spermiogenese erlangen sie während der Passage durch die Epididymis die Fähigkeit zur Vorwärtsbewegung und die Fähigkeit, die Proteine der Zona pellucida zu erkennen und diese zu durchdringen. Sie sind die kleinsten Zellen des menschlichen Körpers. Sie bestehen aus drei Segmenten: den Kopf, den Körper und einem Schwanz. Die Gesamtlänge eines Spermiums beträgt ca. 0,04 mm.

Der Kopf nimmt nur 10 % der Gesamtlänge an. Er beinhaltet den dicht verpackten Chromosomensatz des Mannes (Erbinformation), welcher bei der Befruchtung einer Eizelle mit dem Chromosomensatz der Frau verschmilzt. Die Kopfhülle des Spermiums enthält Enzyme welche das Eindringen in die Eizelle ermöglichen. Im Mittelstück findet man die Mitochondrien-Strukturen welche die Aufgabe haben,  Nährstoffe in  Energie umzuwandeln um die Fortbewegung des Spermiums zu ermöglichen. Der Schwanz des Spermiums besitzt eine aus Protein gebaute Struktur, welche die Zick-Zack Bewegung der Samenzelle ermöglicht.

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Abb. 2:Morphologie des menschlichen Spermatozoons.

Das Spermiogramm – die Samenanalyse des Ejakulats

Im Rahmen der Vordiagnostik des Mannes führen wir außer einer allgemeine Anamnese und Blutuntersuchung vor allem eine Samenuntersuchung nach den Qualitätsanforderungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch. Die Normwerte sind im Handbuch "WHO laboratory manual for the Examination and processing of human semen" als Richtlinien zusammenerfasst. Es handelt sich um die Richtlinien welche genormte Untersuchungsparameter zur Beurteilung der männlichen Fruchtbarkeit darlegen. Mit Hilfe dieser, ist eine Standarisierung der Beurteilung und der Vergleich der Samenproben erlaubt.

Unser Zentrum nimmt freiwillig in Rahmen der Qualitätskontrolle zweimal jährlich in externen Ringversuchen der Samenanalyse teil.
Das Spermiogramm ist trotz moderner funktioneller und biochemischer Untersuchungen die Basis der andrologischen Labordiagnostik. Schon Spermatozoenkonzentration, Volumen und pH können Rückschlüsse auf die Ursachen von Fertilitätsstörungen ermöglichen. So sprechen niedriges Volumen, niedriger pH und Azoospermie für einen zentralen Verschluß der Samenleiter. Um aussagefähige Befund zu bekommen werden zwei Spermiogramme in min.12 wöchigen Abständen durchgeführt, um vor allem auf folgenden Parametern zu untersuchen:
  • das Volumen des Samens
  • die Konzentration der Samenzellen
  • die Beweglichkeit der Samenzellen
  • die Morphologie der Samenzellen
Das Spermiogramm liefert die erste Antwort auf die Frage, ob es sich genug Samenzellen von guter Qualität im untersuchten Ejakulat befinden und ob sie das Potenzial haben die Eizelle zu erreichen.

Hauptkriterien der Samenuntersuchung


Das Volumen

Die Untersuchung der Samenprobe beginnt mit der Bestimmung des Volumens des Samens und der Konzentration der Samenzellen. Unter normalen Umständen hat der Samen ein Volumen von 2 bis 3ml. Einige Abweichungen können aber vorkommen. Klassifikation:
  • Volumen 0 ml:          Aspermie
  • Volumen 2.0 ml:       normal
  • lumen < 2.0 ml:        Hypospermie
  • Volumen > 6.0 ml:   Hyperspermie

Die Konzentration

Die Konzentration der Spermien d.h. Anzahl der Spermien pro ml bzw. gesamte Anzahl der Spermien im Ejakulat (in ml) wird mittels Zählkammer durchgeführt. Die Konzentration der Samenzellen sollte nach WHO bei mindestens 20 Millionen Samenzellen in 1 ml aufweisen.

Motilität - die Beweglichkeit der Spermien

Die Beweglichkeit der Samenzellen wird unter dem Mikroskop untersucht. Nach der WHO Norm unterscheidet man zwischen vier Beweglichkeitsarten im der untersuchten Samenprobe:
  • “a”    Schnelle Vorwärtsbewegung, d.h. linear-progressive Motilität
  • “b”    Langsame Vorwärtsbewegung, d.h. träge Motilität
  • “c”    Keine progressive Beweglichkeit, d.h. nur lokale Motilität
  • “d”    Keine Beweglichkeit, d.h. Immotilität
Für die Kinderwunschtherapie sind die Kategorie „a“ und „b“ der Motilitätsklassifikation von großer Bedeutung. Mindestens 50% der Spermien mit Vorwärtsbeweglichkeit (d.h. Kategorien “a” + “b”) oder 25% der Spermatozoen mit schneller Vorwärtsbewegung (d.h. Kategorie “a”) sollten vorhanden sein um der Norm zu entsprechen.

Morphologie - das Aussehen des Spermiums

Samenuntersuchung unter dem Mikroskop: Bestimmung der Anzahl der Spermien und ihre Beweglichkeit

Ein Normospermie-Spermiogramm
Oft wird auch das Aussehen der Samenzellen unter dem Mikroskop untersucht und unter Anwendung der „Krüger’s Strict Criteria“ (Krügerschen strengen Kriterien) bewertet. Jede Samenzelle wird kritisch beurteilt, ob die einzelnen Abschnitte normal aussehen. Der Anteil normalgeformter Spermatozoen ist ein wichtiger Aussageparameter für die Fertilitätsprognose. Eine ungestörte Spermatogenese und freie Samenwege spiegeln sich in, entspricht der Anteil normal geformter Spermien in Ejakulatprobe wieder. Die Mikroskopische Untersuchung eines unauffälligen Ejakulates zeigt neben normalgeformten Spermatozoen auch sehr viele unterschiedliche Abweichungen von der Normalform. Ausprägung und Häufigkeit bestimmter Formstörungen der Spermatozoen spiegeln Schäden der Spermato- und Spermiogenese im Hoden, aber auch Störungen der Nebenhodenfunktion wider.

Samenuntersuchung unter dem Mikroskop: Bestimmung der Anzahl der Spermien und ihre Beweglichkeit

Ein abnormales-Spermiogramm: stark eingeschränkte Anzahl und die Beweglichkeit der Spermien
Insgesamt werden cirka 200 Samenzellen bewertet. In einer guten Samenprobe sehen mindestens 20% der Samenzellen normal aus, während eine akzeptable Probe zwischen 5 und 14% liegt. Samen von nicht zufrieden stellender Qualität enthält unter 4% Samenzellen, die normal aussehen. Die morphologischen Untersuchung erlaubt eine nur begrenzte Aussage über den physiologischen-morphologischen Zustand des Spermazoons. Mit dieser Methode kann man nicht feststellen ob die im Kopf des Spermiums verpackten Gene eine normale Gensequenz aufweisen. Ein völlig normales Spermium kann abnormale Genschlüssel tragen, während ein mißgestaltetes Spermium einen ganz unauffälligen Chromosomensatz besitzt. Dazu können Sie mehr unter: Speziale Diagnostik in der Kinderwunschtherapie Thema: DNA Analise der Spermien und bezüglich weitgehender Morphologie in dem ICSI Verfahren unter: Speziale Methoden in der ART Kapitel: IMSI Verfahren durchlesen.
  WHO (1987, 1992) "Düsseldorfer Klassifikation"
Normales Spermatozoon einschließlich "Grenzformen" "streng"
Formstörungen
Kopf zigarrenförmig,
birnenförmig
Überstreckungen I.-III.°
Stauchform (postakrosomal)
Überstreckungen mit gleichzeitigem Akrosomdefekt
amorph Akrosomdefekte I.°,II.°;
amorphe Formen;
Rundkopf
Stecknadelkopf Stummelform
Doppelkopf Zweier- u. Mehrfachformen
zu groß Megaloform
zu klein Mikroform
abnorme Vakuolen Chromatinverteilungsstörungen
Mittelstück fehlend (einschl. Flagellum);
nicht regulär ansetzend, abgeknickt; erweitert, unregelmäßig, zu dünn
Mittelstück- und Flagellumstörungen
(kombiniert betrachtet):
Abnorme Anfärbbarkeit
Flagellum zu kurz, haarnadelförmig, "gebrochen",
aufgerollt, unregelmäßig, Doppel-/ Mehrfachschwänze
Abaxiale Implantation,
Flagellumschaft
"knittrig", mit Kaliberschwankungen;
Abknickung, Aufrollung;
rudimentäre Anlage
Zytoplasmatropfen 1/3 des Kopfes 1 des Kopfes
 

Allgemein zum Samenuntersuchung und der Ergebnisse
Verschlechterung der Spermaqualität

In mehreren Untersuchungen hat man festgestellt, dass die Qualität des untersuchten Spermas bei jüngeren Männern immer mehr abnimmt. So wurde beobachtet, dass sich in einem Zeitraum von 20 Jahren bei den Samenspendern die mittlere Spermienkonzentration statistisch signifikant von 90 auf 60 Mio/ml verringert hat. (Auger et al. 1995). Die Studien weisen darüber hinaus darauf hin, dass sich mit vorgeschrittenem Alter des Spenders das Ejakulatvolumen, Progresivmotilität und die Konzentration der Spermien bei Männern verringert.

Es wird dieses durch neueste Änderung der Ejakulatanalyse der WHO Richtlinien bestätig. Die neuen Richtlinien sind aber noch nicht in Deutschland in Kraft getreten. Deshalb stellen wir diese separat neben dem verbindlichen Normwerten aus dem Jahr 1999 zusammen.

Spermiogramm - Referenzwerte nach den Richtlinien der WHO (1999; 4 Ausgabe)
Ejakulatvolumen pro Samenerguss: > 2.0 ml
pH-Wert: 7.2 - 8.0
Spermienkonzentration: > 20 Mio. Spermotozoen/ml
Spermiengesamtzahl: > 40 Mio. Spermatozoen in Ejakulat
Motilität: a: linear-progressiv = schnelle Vorwärtsbewegung
b: progressiv = langsame, ungeordnete Vorwärtsbewegung
c: nicht progressiv = nur lokale Beweglichkeit, Kreisschwimmer
d: immotil = keine Beweglichkeit
als Normrelevant wenn: > als 25 % schnell progressive Spermien der Kategorie a bzw. > als 50 %
progressiv bewegliche Spermien der Kategorie (a + b)
Morphologie: > 30 % normal geformte Spermien
Verflüssigungszeit: bis 60 min
 

Funktionsparameter im Ejakulat

Zink: > 2.4 µmol Prostatafunktion
Peroxidase positive Zellen (Leukozyten): < 1 Mio. /ml Entzündung
Glukosidase: > 20 mU /ml Nebenhodenfunktion
Carnitin: 7,0 mg% Nebenhodenfunktion
Fruktose: > 1,2 mg/ml Bläschendrüsen
Akrosinaktivität: 50-200 mU/ml Spermatozoendefekt
MAR-Test (): < 10 % mit Partikel Spermatozoen-Antikörper
Vitalität (Anteil vitaler Spermatozoen): > 75 % vitale Spermatozoen
Zitronensäure: 250-800 mg% Prostatafunktion
 

Änderung der Referenzwerten

Die aktuelle veränderte Referenzwerte-Richtlinien aus dem WHO Handbuch, 5 Auflage, (2010), ISBN: 978 92 4 154778 9
Ejakulatvolumen: 1,5 ml
Gesamtspermienzahl: 39 Mio.
Spermienkonzentration: 15 Mio/ml
Anteil beweglicher Spermien: 40% Es wird nicht mehr zwischen schnell und langsam Vorwärtsbeweglichen Spermien unterschieden ( a und b Kriterium). Es sollen mindestens 32% der Spermien vorwärtsbeweglich sein.
Anteil lebender (vitaler) Spermien: 58%
Morphologie: 4% normal geformte Spermien
 
Begriffe in Zusammenhang mit der Ejakulatuntersuchung

Diagnoseschlüssel:

Aspermie: kein Ejakulat
Azoospermie: keine Spermatozoen im Ejakulat (nach Zentrifugation!)
Asthenozoospermie: < 50 % progressiv motile Spermien (a+b) oder < 25 % schnell progressive Spermien (a)
Hyperzoospermie: > 150 Mil. Spermien pro Milliliter Ejakulat
Kryptozoospermie: < 1 Mio Spermien pro Milliliter (nur ganz vereinzelt Samenzellen)
Leukozytospermie: mögliche Infektion
Multisemie (Polysemie): > 6ml Ejakulatvolumen
Nekrozoospermie: keine Beweglichkeit der Samenzellen, im Eosin-Test negativ
Normozoospermie: normale Ejakulatparameter
Oligozoospermie: < 20 Mio. Spermien pro Milliliter Ejakulat
Oligo-Astheno- Teratozoospermie: Dichte, Motilität und Morphologie pathologisch
Parvisemie (Hypospermie): < 2 ml Ejakulatvolumen
Polyzoospermie: > 250 Mio. Spermien pro Milliliter (als relative Polyzoospermie bei Parvisemie)
Teratozoospermie: verminderter Anteil morphologisch normaler Spermatozooen. Nach WHO Norm kein Grenzwert mehr, aber weist man darauf hin dass im in vitro die Fertilisierungsraten erst absinken, wenn der Anteil normal geformter Spermatozoen unter 15 % sinkt
Viskosipathie: Verflüssigungsstörungen
 
Voraussetzungen für die Genehmigung von der gesetzliche Krankenkasse eine intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) Verfahren durchzuführen.

Die Indikation ist in den Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung festgelegt.

Das ICSI Verfahren ist dann einzuwenden, wenn zwei Spermiogramme min. in Abständen von 13 Wochen folgende Kriterien erfüllen:
  nativ
(unaufbereitet)
swim-up
(aufbereitet)
Konzentration (Mio/ml) < 10 < 5
Gesamtbeweglichkeit (%) < 30 < 50
Progressivmotilität ( a: in %) < 25 < 40
Normalformen (%) < 20 < 20
 
Sind nicht alle Kriterien gleichzeitig erfüllt, so ist das entscheidende Kriterium die Progressivmotilität (a).
Sofern diese unter 15% im Nativsperma oder unter 30% nach dem swim-up-Verfahren liegt, so liegt eine Indikation für die intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) vor.

Vorgeschichte, körperliche Untersuchung

Von großer Bedeutung ist auch beim Mann die Erfragung der Vorgeschichte. Zum Beispiel können Leistenbruchoperationen oder Operationen wegen eines Hodenhochstandes wichtig sein. Eine häufige Ursache für verminderte Spermien ist auch eine Mumpserkrankung in der Pubertät oder Infektionen des Samenweges. Auch andere Grunderkrankungen müssen erfragt werden, da z. B. Innere Erkrankungen wie Zuckerkrankheit und Nervenschädigungen den Ablauf der Ejakulation stören können. Außerdem wird der Konsum von Nikotin und Alkohol erfragt. Wichtig ist auch die körperliche Untersuchung, die meist von einem Urologen oder einem speziell ausgebildeten Internisten („Andrologen") durchgeführt wird. Dabei wird darauf geachtet, das der Körperbau und Behaarungstyp typisch männlich ist, oder ob Abweichungen zu erkennen sind welche den Verdacht auf eine hormonelle oder genetische Störung aufkommen lassen. Die Hoden werden abgetastet, da Größe und Festigkeit dem erfahrenen Untersucher ebenfalls Hinweise auf eine Funktionsstörung geben können. Eine ausgeprägte Empfindlichkeit bei der Tastuntersuchung des Nebenhodens kann ein Anzeichen für eine chronische Entzündung sein. Wichtig ist auch die Untersuchung auf eine Krampfader („Varikozele") am Hoden welche die Spermienproduktion negativ beeinflussen kann. Dieses läßt sich ebenfalls bei einer Tastuntersuchung feststellen, oft wird ein spezieller Ultraschall (Doppler) zur Diagnosestellung verwendet.

Untersuchung des Ejakulats

Zentraler Bestandteil der Untersuchung des Mannes ist das Spermiogramm. Hierbei werden die Spermien unter dem Mikroskop untersucht. Dazu wird das Ejakulat nach einer Karenzzeit (Zeit ohne Verkehr oder Masturbation) durch Masturbation gewonnen. Die meisten Untersucher empfehlen einen Zeitraum von 4-5 Tagen als Karenzzeit. Diese ist notwendig, da ein zu kurzer Abstand zum letzten Verkehr die Spermienzahl negativ beeinflussen kann und eine zu lange Wartezeit zwar die Zahl verbessert, jedoch die Beweglichkeit der Samenfäden verschlechtert. Die Abgabe des Ejakulats erfolgt in einen sterilen Behälter und sollte auch sonst unter möglichst keimarmen Voraussetzungen durchgeführt werden (gründliches Waschen der Hände und des Penis). Die Probe sollte zur Untersuchung nicht älter als ein halbe Stunde sein. Wenn die Fahrzeit zum Labor darunter liegt, dann kann die Probe üblicherweise auch zu Hause gewonnen werden. Wichtig ist es, zu wissen, daß die Qualität der Samenfäden stark schwanken kann. Deshalb sollten immer 2-3 Untersuchungen durchgeführt werden bevor eine schlechte Samenqualität als Ursache für eine Sterilität angenommen werden kann.

Die erste Untersuchung ist üblicherweise die Feststellung der Verflüssigungszeit des Ejakulats. Unmittelbar nach dem Austritt aus den Samenwegen wird das Ejakulat zunächst zähflüssig, wahrscheinlich, um ein sofortiges Herausfließen aus der Scheide zu vermeiden. Nach ca. einer halben Stunde verflüssigt es sich wieder und erst dann ist eine Untersuchung unter dem Mikroskop möglich. Findet diese Verflüssigung nicht statt (nach spätestens 60 Minuten), dann spricht man von einer „Hyperviskositätsstörung", oder auf gut Deutsch: das Ejakulat ist zu dickflüssig. Dieses Phänomen ist sehr selten. Mit bestimmten Enzymen (Chymotrypsin) läßt sich eine Verflüssigung in solchen Fällen erreichen. Die Therapie besteht dann aus einer Aufbereitung der Spermien mit anschließender Inseminationsbehandlung.

Eine weitere Untersuchung ist die Bestimmung des Ejakulatvolumens. Dieses sollte mindestens 2 ml betragen. Wenn die Menge niedriger ist, dann besteht wahrscheinlich eine Störung der Funktion der Samenbläschen, denn diese sind hauptsächlich für das Volumen der ejakulierten Flüssigkeit verantwortlich. Ohne die Flüssigkeit der Samenbläschen verlieren die Spermien schnell ihre Beweglichkeit, da diese einen bestimmten Zuckerstoff enthält (Fruktose), welcher den Samenfäden die Energie für ihre Bewegungen liefert. Man kann auch die Fruktose im Ejakulat messen und daraus wertvolle Hinweise auf die Funktionsfähigkeit der Samenbläschen gewinnen. Auch bei dieser Störung ist eine Aufbereitung der Spermien mit anschließender Insemination die Therapie der Wahl.

Nach erfolgter Verflüssigung kann die Untersuchung unter dem Mikroskop folgen. Dazu wird das Ejakulat gut durchmischt und anschließend eine kleine fest definierte Menge (meist 10 Mikroliter) unter standardisierten Bedingungen ausgezählt. Dazu verwendet man eine bestimmte Zählkammer, mit der sich eine genau definierte Menge des Ejakulats unter dem Mikroskop betrachten und auszählen läßt . Es sind dabei 3 Kriterien von herausragender Bedeutung: Die Spermienkonzentration, die Beweglichkeit und das Aussehen (Form) der Spermien.

Spermienkonzentration: Unter einer 400-fachen Vergrößerung werden die Spermien in der Zählkammer ausgezählt. Da sich in diesen Kammern ein genau definiertes Volumen befindet, muß man die Spermien über einer bestimmten Fläche zählen und kann dann mit einem Umrechnungfaktor die Konzentration pro Milliliter bestimmen. Normwert der Spermiendichte ist 20 Millionen pro Milliliter. Bei einem normalen Volumen des Ejakulats von mind. 2 ml ergibt sich eine Mindestgesamtmenge von 40 Millionen Spermien. Bei deutlich eingeschränktem Spermienbefund werden noch einige weitere Untersuchungen angeschlossen werden (siehe weiter unten), insbesondere hormonelle Untersuchungen stehen dabei im Vordergrund. Die Therapie hängt von dem Schweregrad der Minderung der Spermienzahl ab. Es können Inseminationen, eine IVF oder auch eine ICSI sinnvoll sein. Medikamentöse Behandlungen sind ebenfalls möglich und werden in dem entsprechenden Abschnitt behandelt.

Azoospermie: Ein besonderer Fall ist das völlige Fehlen von Spermien. Hier gibt es zwei mögliche Ursachen: Das Fehlen der Spermien wegen eines Verschlusses der Samenwege bei erhaltener Spermienproduktion oder eine nachhaltige Störung der Spermienproduktion bei erhaltener Durchgängigkeit der Samenwege. Da mit den modernen Techniken der Reproduktionsmedizin auch Spermien, die direkt aus dem Hoden entnommen wurden, eine Schwangerschaft erzielt werden kann, wird zur endgültigen Abklärung der Azoospermie eine Probenentnahme aus dem Hodengewebe durchgeführt. Wenn sich eine erhaltene Spermienproduktion bei einem Verschluß der Samenwege findet oder Reste von intaktem Hodengewebe bei einer Hodenfunktionsstörung, dann können die so gewonnenen Spermien(-vorstufen) für eine ICSI verwendet werden. Bei einem Verschluß der Samenwege würde man meist die Gewinnung der Spermien aus dem Nebenhoden bevorzugen, da die Spermien hier schon ausgereift sind (MESA), bei einem Verschluß dicht am Hoden oder einer Hodenfunktionsstörung verwendet man Spermien aus dem Hodengewebe (TESE).

Beweglichkeit: Die Untersuchung der Spermienbeweglichkeit erfolgt in der oben beschriebenen Zählkammer. Es werden 100 Spermien ausgezählt und dabei die Beweglichkeit beurteilt. Mindestens 50% der der Samenfäden sollten dabei beweglich sein. Wenn dies nicht der Fall ist, dann wird der Befund als Asthenozoospermie bezeichnet . Diese Störungen der Beweglichkeit sind meist ohne klärbaren Hintergrund. Gelegentlich können jedoch auch Infekte die Ursachen sein, da die Zellgifte, die die Bakterien absondern und Stoffe, die von den Abwehrzellen des eigenen Körpers gebildet werden zur einer Einschränkung der Beweglichkeit führen können. Manche Bakterien (Keime aus dem Darm) können die Spermien über bestimmte Stoffe miteinander verkleben und dadurch unbeweglich machen. Antikörper gegen Spermien können das gleiche Phänomen hervorrufen.

Infekte sind zu behandeln (Antibiotika), oft kommt es nach einer solchen Therapie zu einer Normalisierung der Beweglichkeit. Bei Antikörpern gegen Spermien treten Verklumpungen der Spermien miteinander auf. Diesen Verklebungen kann man zuvorkommen, indem man die Spermien von den Substanzen befreit, welche die Antikörper enthalten (Spermienaufbereitung). Dabei handelt es sich um die gleichen Methoden, wie bei der Aufbereitung der Spermien für eine Insemination. Deswegen führt man im Anschluß daran meist auch eine solche Insemination durch.

Bei ungekärter Ursache für eine verminderte Beweglichkeit können Medikamente eingesetzt werden deren Effekt jedoch nur in wenigen Fällen belegt werden konnte. Darüber hinaus bietet sich, je nach Schweregrad der Funktionsstörung eine Insemination, IVF oder ICSI an.

Aussehen: Im Gegensatz zu den meisten Säugetieren, bei denen die Spermien zu annähernd 100% normal geformt sind, ist beim Menschen ein hoher Prozentsatz der Samenfäden in seinem Aussehen (Morphologie) krankhaft verändert. Jedoch sollten mindestens 30% der Samenzellen ein normales Aussehen aufweisen, ansonsten wird von einer Teratozoospermie gesprochen. Zur Beurteilung der Morphologie werden 100 Spermien untersucht und in normal geformte und krankhaft veränderte unterteilt. Man kann diese Untersuchung ebenfalls mit den anderen Untersuchungen zusammen in der oben erwähnten Zählkammer durchführen. Oft werden die Spermien jedoch mit speziellen Farbstoffen gefärbt. Dadurch lassen sich bestimmte Abschnitte der Samenfäden besser beurteilen. Meist sind die Fehlformen sehr unterschiedlich in einem Ejakulat, gelegentlich lassen sich aber auch dieselben krankhaften Veränderungen bei allen untersuchten Spermien beobachten. Hierzu zählt die sogenannte Globozoospermie (Rundkopf-Spermien), bei der ein genetischer Defekt dazu führt, dass der Kopf der Samenfäden keine Enzyme besitzt, mit denen die Wand der Eizelle aufgelöst werden kann. Diese Spermien sind befruchtungsunfähig. Dies ist aber eine seltene Ausnahme. Es ist einem Spermium von außen nicht anzusehen, ob die darin enthaltenen Gene normal sind. Ein völlig normales Spermium kann krankhafte Gene tragen, während ein mißgestaltetes einen ganz unauffälligen Chromosomensatz besitzt. Eine Häufung von mißgestalteten Spermien geht nur sehr selten (siehe weiter unten) mit genetischen Fehlern einher. Eine Verbesserung des Aussehens ist auf medikamentösem Weg nicht zu erzielen. Auch bei schlechter Morphologie sind Insemination, IVF und ICSI die Behandlungsmethoden der Wahl, wobei sich die Methode nach dem Schweregrad der Teratozoospermie richtet.

Bei der mikroskopischen Untersuchung sind fast immer auch weiße Blutkörperchen zu sehen (Leukozyten). Bei einer Konzentration von mehr als 1 Million pro ml spricht man von einer Leukozytospermie. Dies ist oft ein Hinweis auf eine Infektion. Es sollte dann versucht werden, den auslösenden Keim in einer Bakterienkultur festzustellen und antibiotisch zu behandeln.